Workshop der Stadt Bonn – Dialog oder Vorfestlegung?
Unsere Eindrücke zum Beteiligungsverfahren
Die Zukunft des Venusberghangs betrifft viele Menschen in Bonn. Umso wichtiger ist es, dass Entscheidungen über diesen sensiblen Naturraum transparent, fachlich fundiert und unter fairer Beteiligung aller Interessengruppen getroffen werden.
Vor diesem Hintergrund begrüßten wir zunächst die Einladung der Stadt Bonn zu einem Workshop, in dem die Grundlagen für ein zukünftiges Mountainbike-Konzept diskutiert werden sollten. Ziel der Veranstaltung war es nach Angaben der Verwaltung, unterschiedliche Interessen zusammenzubringen und einen Dialog über die weitere Entwicklung am Venusberghang zu ermöglichen.
Im Verlauf des Workshops entstand bei zahlreichen Teilnehmerinnen und Teilnehmern jedoch der Eindruck, dass die Diskussion nicht vollständig ergebnisoffen geführt wurde.
Eindruck einer Vorfestlegung
Bereits zu Beginn der Veranstaltung wurde ein längerer Fachvortrag über die Umsetzung eines sogenannten Mountainbike-Korridors gehalten. Dieser Korridor stellte die aus Sicht der beauftragten Machbarkeitsstudie bevorzugte Variante dar – obwohl zu diesem Zeitpunkt weder eine politische Entscheidung getroffen noch eine Bürgerbeteiligung abgeschlossen war.
Auch während der weiteren Diskussion wurde der Begriff Mountainbike-Korridor wiederholt verwendet. Dadurch entstand aus unserer Sicht der Eindruck, dass nicht mehr grundsätzlich darüber diskutiert wurde, ob eine Mountainbike-Anlage in einem Landschaftsschutzgebiet überhaupt sinnvoll ist, sondern vielmehr darüber, wie sie umgesetzt werden könnte.
Mehrere Vertreter der Naturschutzverbände äußerten diese Kritik bereits unmittelbar nach dem Workshop öffentlich. Auch wurde bemängelt, dass kritische Beiträge teilweise nicht ausreichend dokumentiert wurden und für einzelne Diskussionsrunden nur begrenzte Zeit zur Verfügung stand.
Bereits heute erhebliche Schäden
Besonders unverständlich ist diese Entwicklung aus unserer Sicht vor dem Hintergrund des heutigen Zustands des Waldes.
Die zahlreichen illegal angelegten Trails haben den Venusberghang bereits erheblich verändert. Große Bereiche des Waldbodens sind verdichtet, die schützende Humus- und Laubschicht wurde entfernt, Baumwurzeln liegen frei und an vielen Stellen haben sich tiefe Erosionsrinnen gebildet. Nach Starkregen sammelt sich Niederschlagswasser in diesen Fahrspuren und fließt konzentriert hangabwärts.
Diese Schäden sind nicht theoretisch, sondern heute bereits im Gelände sichtbar und dokumentiert. Aus unserer Sicht hätte daher zunächst die Frage im Mittelpunkt stehen müssen, wie der bestehende Naturraum geschützt und die bereits entstandenen Schäden begrenzt werden können.
Offene Fragen bleiben bestehen
Der Venusberghang ist weit mehr als ein Freizeitgelände. Er ist Lebensraum zahlreicher Tier- und Pflanzenarten, Wasserspeicher, Klimaraum und wichtiger Erholungswald für die Bonner Bevölkerung.
Gerade deshalb halten wir es für notwendig, vor jeder weiteren Planung wesentliche Fragen umfassend zu beantworten:
Welche zusätzlichen Auswirkungen hätte eine Legalisierung von Trails auf Boden und Vegetation?
Wie verändern sich Wasserabfluss und Bodenerosion?
Welche Folgen ergeben sich für die Hangstabilität bei zunehmenden Starkregenereignissen?
Welche Auswirkungen entstehen für geschützte Tier- und Pflanzenarten?
Welche Alternativen außerhalb eines Landschaftsschutzgebietes wurden geprüft?
Nach unserer Auffassung sollten diese Fragen zunächst fachlich beantwortet werden, bevor über eine dauerhafte Mountainbike-Anlage entschieden wird.
Unsere Haltung
Wir sprechen uns ausdrücklich nicht gegen das Mountainbiken als Sport aus. Bonn verfügt über zahlreiche Möglichkeiten für naturverträgliche Freizeitangebote.
Ein Landschaftsschutzgebiet erfüllt jedoch einen anderen Zweck. Sein gesetzlicher Auftrag besteht darin, Natur und Landschaft dauerhaft zu schützen und als Lebensraum sowie Erholungsraum für die Allgemeinheit zu erhalten.
Deshalb setzen wir uns weiterhin dafür ein, dass Entscheidungen über den Venusberghang auf einer transparenten, wissenschaftlich fundierten und tatsächlich ergebnisoffenen Grundlage getroffen werden.