Landschafts-Schutzgebiet unter zunehmendem Druck
Der Venusberghang oberhalb des Loki-Schmidt-Platzes gehört zu den ökologisch wertvollsten Natur- und Landschaftsräumen Bonns. Als Landschaftsschutzgebiet bietet er zahlreichen Tier- und Pflanzenarten einen wichtigen Lebensraum und erfüllt gleichzeitig bedeutende Funktionen für den Klimaschutz, den Wasserhaushalt und die Naherholung.
Seit mehreren Jahren beobachten wir jedoch mit großer Sorge die zunehmende Ausbreitung illegal angelegter Mountainbike- und Downhill-Strecken. Durch das Anlegen von Sprüngen, Steilkurven, Rampen und immer neuen Fahrtrassen wird der Waldboden verändert und die natürliche Vegetation beschädigt.
Der Bonner Naturschutz e.V. setzt sich deshalb gemeinsam mit vielen engagierten Bürgerinnen und Bürgern dafür ein, diesen wertvollen Naturraum dauerhaft zu erhalten und weitere Schäden zu verhindern.
Auswirkungen auf Natur und Landschaft
Die illegal angelegten Trails führen nicht nur zu sichtbaren Eingriffen in den Wald. Sie verändern auch dauerhaft den Boden und die natürlichen Wasserwege.
Für neue Strecken werden junge Bäume, Sträucher und Krautschichten entfernt. Wurzeln werden freigelegt und der Waldboden verdichtet. Dadurch verliert der Wald einen Teil seiner natürlichen Schutzfunktion.
Besonders problematisch ist die Entstehung tiefer Fahrrinnen. Bei Starkregen sammelt sich das Wasser in diesen künstlich entstandenen Rinnen und fließt mit hoher Geschwindigkeit talwärts. Dadurch kann sich die Bodenerosion verstärken, wertvoller Oberboden wird abgetragen und die Belastung für den ohnehin geologisch sensiblen Venusberghang nimmt weiter zu.
Gerade vor dem Hintergrund zunehmender Starkregenereignisse infolge des Klimawandels sollte alles vermieden werden, was den natürlichen Wasserrückhalt des Waldes beeinträchtigt.
Lebensraum seltener Arten
Der Venusberghang ist Lebensraum zahlreicher Tier- und Pflanzenarten.
Dazu gehören unter anderem der Feuersalamander, der Hirschkäfer, verschiedene Fledermausarten, Grünspecht, Gartenrotschwanz, Mönchsgrasmücke, Heckenbraunelle sowie Fuchs, Dachs und Reh.
Diese Arten sind auf möglichst störungsarme Lebensräume angewiesen. Neue Fahrtrassen zerschneiden bestehende Habitatstrukturen und führen zu einer zunehmenden Beunruhigung des Waldes.
Ein Wald für alle
Der Wald am Venusberghang ist nicht nur Lebensraum für Tiere und Pflanzen.
Er ist gleichzeitig ein wichtiger Erholungsraum für Spaziergänger, Familien, ältere Menschen und Kinder. Kindertagesstätten und Schulen nutzen den Wald regelmäßig für Umweltbildung und Naturerlebnisse.
Illegale Downhill-Strecken erhöhen das Konfliktpotenzial zwischen den verschiedenen Nutzergruppen erheblich. Aus unserer Sicht sollte ein Landschaftsschutzgebiet in erster Linie dem Schutz der Natur sowie der naturverträglichen Erholung dienen.
Unsere Haltung
Wir setzen uns ausdrücklich für einen naturverträglichen Radsport ein. Gegen das Mountainbiken auf geeigneten und dafür vorgesehenen Wegen bestehen aus unserer Sicht keine grundsätzlichen Einwände.
Illegale Eingriffe in ein Landschaftsschutzgebiet sowie die nachträgliche Legalisierung solcher Strecken sehen wir jedoch kritisch. Aus unserer Sicht darf der Schutz eines ökologisch wertvollen Waldes nicht hinter Einzelinteressen zurücktreten.
Unser Engagement
Der Bonner Naturschutz e.V. engagiert sich seit vielen Jahren für den Schutz des Venusberghangs.
Dazu gehören unter anderem:
Rückbau illegal angelegter Trails gemeinsam mit engagierten Bürgerinnen und Bürgern,
Gespräche mit der Stadt Bonn, der Stadtförsterei sowie den Naturschutzbehörden,
Information der Öffentlichkeit über die Auswirkungen illegaler Trails,
Durchführung einer Online-Petition zum Schutz des Venusberghangs,
Zusammenarbeit mit weiteren Naturschutzverbänden,
Dokumentation neuer Schäden und Eingriffe.
Unser Ziel ist es, den Venusberghang als wertvollen Natur-, Klima- und Erholungsraum dauerhaft zu erhalten – für die hier lebenden Tier- und Pflanzenarten ebenso wie für die Menschen in Bonn und für kommende Generationen.
Die folgenden Aufnahmen zeigen den aktuellen Zustand verschiedener Bereiche des Venusberghangs oberhalb des Loki-Schmidt-Platzes.
Wo sich ursprünglich ein weitgehend geschlossener Waldboden mit Laubschicht und natürlicher Vegetation befand, verlaufen heute an vielen Stellen deutlich ausgeprägte Mountainbike-Trails. Durch wiederholtes Befahren wurden breite Fahrspuren und tiefe Rinnen geschaffen. Die schützende Humus- und Laubschicht ist großflächig verschwunden, der Boden liegt offen und zahlreiche Baumwurzeln sind bereits freigelegt.
Das letzte Bild zeigt einen Bereich in dem wir die Strecken vor 1 Jahr zurückgebaut haben.
Besonders an steileren Hangabschnitten sind deutliche Erosionserscheinungen zu erkennen. Die Fahrspuren verlaufen häufig direkt hangabwärts und bilden Rinnen, in denen sich Regenwasser sammelt und konzentriert zu Tal fließen kann. Dadurch wird weiterer Boden abgetragen und der natürliche Wasserrückhalt des Waldes beeinträchtigt.
Gerade am Venusberghang, der aufgrund seiner geologischen Verhältnisse seit vielen Jahren als sensibler Hangbereich gilt, beobachten wir diese Entwicklung mit großer Sorge. Jeder Verlust von Oberboden und Vegetation schwächt die natürliche Schutzfunktion des Waldes. Angesichts zunehmender Starkregenereignisse stellt sich aus unserer Sicht die Frage, welche langfristigen Auswirkungen die fortschreitende Bodenerosion auf den Hang und den Wasserhaushalt haben kann.
Die Bilder zeigen außerdem, dass die Schäden längst nicht mehr auf einzelne schmale Pfade beschränkt sind. An vielen Stellen wurden Kurven verbreitert, Böschungen abgeflacht und Sprünge oder Anfahrten angelegt. Dadurch werden immer größere Flächen des Waldes in Anspruch genommen. Für Pflanzen und Tiere gehen Rückzugsräume verloren, während gleichzeitig die natürliche Waldstruktur zunehmend verändert wird.
Wir beobachten diese Entwicklung seit Jahren und dokumentieren die Veränderungen regelmäßig. Unser Ziel ist es nicht, den Radsport grundsätzlich infrage zu stellen. Wir setzen uns jedoch dafür ein, dass ein Landschaftsschutzgebiet seiner eigentlichen Aufgabe gerecht wird: dem Schutz von Natur, Boden, Wasser, Wald und Artenvielfalt.
Der Venusberghang ist ein wertvoller Naturraum für ganz Bonn. Er speichert Wasser, Bäume schützen den Hang vor Erosion, bietet zahlreichen Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum und dient vielen Menschen als Ort der Ruhe und Erholung. Diese Funktionen gilt es dauerhaft zu erhalten – für uns und für kommende Generationen.
Ein Landschaftsschutzgebiet ist kein Bikepark. Es ist ein geschützter Naturraum, dessen Erhalt im Interesse der Allgemeinheit und kommender Generationen liegt.